Dramatischer Rückgang der Wiesen- und Ackervögel in Niedersachsen
22. August 2008 von Peter BlockDer Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) hat die 7. Fassung der „Roten Liste der in Niederachsen und Bremen gefährdeten Brutvögel“ zum Stand 2007 herausgegeben. Rote Listen sind eine anerkannte Grundlage, um den Bestand von Arten zu analysieren und zu bewerten.
Seit 1974 gibt es Rote Listen in Niedersachsen, die bis heute fortgeschrieben wurden. Sie geben jetzt auch detaillierte Einblicke in regionale Bereiche. Uelzen liegt im Bewertungsraum Tiefland-Ost. Nur für diese Region soll hier wiedergegeben werden, welche Besorgnis erregenden Entwicklungen beispielsweise für bekannte Wiesen- und Ackervögel zu verzeichnen sind.
Zunächst fiel aufmerksamen Vogelbeobachtern bereits vor mehreren Jahren der Rückgang der Wiesenvögel auf. Kiebitz, Bekassine, Braunkehlchen und Wiesenpieper gelten heute als Brutvögel für gefährdet bis sehr gefährdet. Das Braunkehlchen und der Wiesenpieper waren bis 1974 noch ungefährdet, der Kiebitz sogar bis 1984. Der Rückgang beträgt bei diesen besonders geschützten Arten seit 1980 mehr als 50%! Verantwortlich dafür wird vor allem der menschliche Eingriff gemacht. In den letzten Jahren wurde auch im Landkreis Uelzen ein drastischer Rückgang der Ackervögel bemerkt. Dieser Vorgang wird durch die Ergebnisse der Roten Liste eindrucksvoll bestätigt. Besonders auffällig ist der Rückgang des „Allerweltsvogels“ Feldlerche zu beobachten. Sie ist um mehr als 50 % zurückgegangen und galt doch bis 1995 noch als ungefährdet. Auch das Rebhuhn war bis 1976 trotz Bejagung noch ungefährdet. Seither ist sein Bestand um mehr als 50% zurückgegangen. Ein ganz leichter Anstieg ist allerdings in den letzten Jahren zu bemerken. Ähnliches ist auch bei der Wachtel zu beobachten. Alle drei Arten sind aber weiterhin als gefährdet eingestuft worden. Bei allen Arten wird die Hauptursache für den Rückgang im menschlichen Eingreifen gesehen. Eine besondere Stellung nehmen bei uns der Ortolan und die Heidelerche ein. Besonders der Ortolan, der allgemein vom Aussterben bedroht ist, kann im östlichen Landkreis und im Wendland eine inselartig dichtere Besiedlung aufweisen. Die Heidelerche, die allgemein als gefährdet gilt , steht in unserer Region auf der Vorwarnliste. Dem Schutz beider Arten wurde durch die Schaffung von EU-Vogelschutzgebieten Rechnung getragen. Wenn bei der Risikobewertung der oben genannten Arten von „menschlichem Eingreifen“ die Rede ist, so wird in der Erklärung der Herausgeber der Roten Liste (Thorsten Krüger und Bernd Oltmanns) mit Bezug auf andere Veröffentlichungen folgendes festgestellt: „Allgemein begann sich mit der Einführung moderner Bewirtschaftungsmethoden im 20.Jahrhundert der Vogelreichtum der Agrarlandschaft zu verringern. Mittlerweile existieren Landstriche, in denen auf den eigentlichen Agrarflächen nur noch sehr wenige bis stellenweise überhaupt keine Vögel mehr brüten und lediglich Randstrukturen wie Gräben oder Hecken durch Vögel besiedelt sind. Die Vögel der Agrarlandschaft sind mittlerweile die am stärksten bedrohten Artengruppe in Deutschland.“ Als Fazit wird gezogen: „In der offenen, landwirtschaftlich genutzten Kulturlandschaft müssen 63% der dort vorkommenden 43 typischen Vogelarten als gefährdet eingestuft werden“.So weit ist es gekommen! Können Maßnahmen wie die der NABU-Studie noch helfen? Peter Block