Professoren gegen Massentierhaltung

4. Januar 2011 von Peter Block

Professoren gegen die Massentierhaltung

Dieser Artikel ist auf der Homepage der

„Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt“ einzusehen:

www.albert-schweitzer-stiftung.de

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In den Niederladen haben sich knapp 250 Professoren zusammengeschlossen, um für ein Ende der industrialisierten Massentierhaltung einzutreten. In einem Positionspapier verdeutlichen die Wissenschaftler die Probleme der Massentierhaltung und zeigen Lösungsmöglichkeiten auf.Auch wenn wir in der Vergangenheit schon auf praktisch alle Punkte des Papiers eingegangen sind: Die niederländischen Professoren bringen die verschiedenen Themenbereiche so zielgenau auf den Punkt, dass wir sie in freier Übersetzung zusammenfassen. Bitte beachten Sie, dass die Formulierungen von führenden Wissenschaftlern und nicht von Tierrechtsorganisationen stammen.

Tierschutz

Die industrielle Massentierhaltung hat sich zu einem effizienten, technisierten System entwickelt, in dem Tiere den Bedürfnissen der Industrie angepasst werden. Das geht bis zu dem Punkt, dass die Tiere meist ohne Betäubung verstümmelt werden: Schnäbel, Schwänze, Hörner und Geschlechtsteile werden abgetrennt, Zähne werden abgeschliffen.Die Tiere sind teilweise so überzüchtet, dass sie buchstäblich zu Tode wachsen (Masthühner), ihre Nachkommen nicht mehr auf natürliche Weise auf die Welt bringen können (Milchkühe) und ihnen Probleme mit Herzen und Beinen angeboren sind (Schweine). Kälber werden sofort nach der Geburt von ihren Müttern getrennt und leiden an Blutarmut, weil ihnen kaum Eisen zugeführt wird, damit sie helles Fleisch liefern. Die Brüder von Legehennen werden nach dem Schlüpfen vergast oder zerhäckselt, weil es keine Verwendung für sie gibt. Bei der Schlachtung gibt es keine Garantie dafür, dass die Tiere wirkungsvoll betäubt wurden, oder dass sie wirklich tot sind, wenn sie am Schlachthaken hängen.Dass es soweit kommen konnte, erklären die Professoren mit dem psychologischen Phänomen der pluralistischen Ignoranz: Verbraucher und sogar Landwirte missbilligen prinzipiell die Zustände in der Tierhaltung, beruhigen sich jedoch damit, dass niemand etwas unternimmt, weshalb es ja doch nicht so schlimm sein kann. Und wenn es doch schlimm wäre, würde ja die Regierung etwas unternehmen. Dieses Nichtstun wird wiederum von Politikern und Unternehmen so gedeutet, dass die Konsumenten mit den gängigen Praktiken einverstanden sind, wodurch sich der Kreis wieder schließt: Alle Beteiligten denken, dass alles in Ordnung wäre, weil niemand etwas unternimmt.Selbst wenn Konsumenten sich bemühen, Lebensmittel mit erhöhten Tierschutzstandards zu kaufen, wird es ihnen sehr schwer gemacht. Das Bio-Siegel ist beispielsweise kein Garant für hohe Standards (Anm. d. Red.). 

Zerstörung der Böden

Bei der Produktion jedes Kilogramms Fleisch entstehen ca. 6 kg Gülle. In Regionen mit intensiver Massentierhaltung sind die Folgen sind eine Versäuerung und Überdüngung der Böden sowie die Verunreinigung von Grund- und Trinkwasser. Weitere Folgen sind – je nach Lage – die Verödung von Grünland und Waldsterben. Auch die Fauna wird durch die Überdüngung geschädigt (insbesondere große Insekten), was negative Auswirkungen auf gesamte Ökosysteme hat.Phosphat ist ein essentieller Nährstoff für Pflanzen. Dadurch, dass Futter häufig aus dem Ausland importiert wird, importieren wir große Mengen dieses Minerals, das Tiere über ihre Exkremente wieder ausscheiden, wodurch hier eine schädliche Über- und im Ausland eine Unterversorgung entsteht, die voraussichtlich noch in diesem Jahrhundert zu gravierenden Problemen führen wird. In einem Satz: Wir setzen die Zukunft der Nahrungsmittelversorgung aufs Spiel.

Welternährung

Durchschnittlich 5 kg Getreide werden benötigt, um 1 kg Fleisch zu produzieren. Bereits 40% der weltweiten Getreideernte werden von »Nutztieren« verschlungen, und wenn die Prognosen der Welternährungsorganisationen zutreffen, wird sich die Nachfrage nach Fleisch bis zum Jahr 2050 verdoppeln. Bereits jetzt werden Regenwälder für die Fleischproduktion abgeholzt und bereits jetzt leiden eine Milliarde Menschen an Hunger. Und das, obwohl weltweit genug pflanzliche Lebensmittel produziert werden können, um weit mehr als 10 Milliarden Menschen zu ernähren.

Wasserverschwendung

Die Fleischproduktion verschlingt besonders viel Wasser. Es wird vorausgesagt, dass bereits im Jahr 2017 70% der Weltbevölkerung Probleme mit dem Zugang zu ausreichend Süßwasser haben werden, und trotzdem verbrauchen wir große Mengen davon für die Fleischproduktion – insbesondere in ärmeren Ländern, die Futter produzieren.

Klimawandel

Laut Welternährungsorganisation verursacht die Tierhaltung 50% mehr Treibhausgase als alle PKW, LKW, Züge, Schiffe und Flugzeuge zusammen. Neuere Schätzungen kommen sogar zu noch dramatischeren Ergebnissen.

Öffentliche Gesundheit

Alle ernstzunehmenden Experten raten, den Konsum tierischer Proteine und Fette stark zu reduzieren. Trotzdem werden mittels nationaler und europäischer Steuergelder Kampagnen finanziert, die einen noch höheren Verzehr bewerben. So wachsen die Risiken an Herz- und Gefäßkrankheiten, Krebs, Fettleibigkeit und Diabetes zu leiden, weiter an.Weitere Gesundheitsrisiken ergeben sich aus der Verwendung von Antibiotika in der Tierhaltung, was zu resistenten Krankheitserregern führt. Außerdem wird es zunehmend schwieriger, Hühnerfleisch zu kaufen, das nicht mit Salmonellen oder Campylobacter belastet ist. In allen anderen Bereichen der Lebensmittelerzeugung würde das zu Konfiszierungen und der Schließung von Fabriken führen. In der Fleischproduktion wird es dagegen fast schon als normal angesehen. 

Finanzielle Auswirkungen

Die Argumente vieler Politiker und Massentierhalter lassen sich so zusammenfassen: Eine wachsende Agrarindustrie trägt zum Wirtschafts-, Export- und Einkommenswachstum (der Massentierhalter) bei und ist daher zu begrüßen.Dem sind zwei Argumente entgegenzuhalten: Wenn ethische Grenzen überschritten werden (siehe »Tierschutz«), werden finanzielle Überlegungen irrelevant. Heutzutage verteidigt auch niemand mehr die Sklavenhaltung oder die Kinderarbeit, auch wenn durch sie eventuell wirtschaftliche Vorteile zu erreichen wären. Außerdem ist die Argumentation der wirtschaftlichen Vorteile schlichtweg falsch, weil sie nicht die hohen Kosten einberechnet, die Mensch, Tier und Umwelt durch die Fleischproduktion auferlegt werden (siehe ebenfalls oben).

Zehn Forderungen der Wissenschaftler

1)      Die Regierungen müssen Veränderungen einleiten. Die Anstrengungen am Markt bzw. der Verbraucher reichen nicht aus. Unabhängige Regierungen sind notwendig (die Unabhängigkeit vieler Politiker ist in Frage zu stellen).2)      Der Konsum tierischer Produkte muss bis 2020 um mindestens 33% gesenkt werden. Die Regierungen müssen die Öffentlichkeit über die Folgen des Konsums von Lebensmitteln tierischen Ursprungs intensiv und offen informieren.3)      Alle Kosten der Fleisch- und Milchproduktion inkl. Umweltzerstörung und Belastungen des Gesundheitssystems müssen in die Preise einberechnet werden. Zusätzlich dazu sollte noch eine weitere Steuer auf diese Produkte erhoben werden.4)      Wenn sich kein internationaler oder europäischer Konsens finden lässt, müssen einzelne Länder sich allein als Vorbilder positionieren.5)      Dem Tierschutz muss eine zentrale Position eingeräumt werden, der sich deutlich in Verfassung und Gesetzen niederschlägt und die schlimmsten Praktiken (siehe oben) verbietet.6)      Die Verwendung von Antibiotika und Hormonen in der Produktion tierischer Produkte muss verboten werden.7)      Der Anfang sollte darin bestehen, wieder geschlossene Kreisläufe in der Lebensmittelproduktion zu etablieren.8)      Bau und Expansion von Massentierhaltungen  aufgehalten werden. Es sollten gesetzliche Grenzen eingeführt werden, wie viele Tiere pro Hektar, Region oder Land gehalten werden dürfen.9)      Landwirte müssen die Chance erhalten, sich auf die neuen Anforderungen einzustellen. Da die Politik einen großen Teil der Schuld für die falsche Entwicklung des Sektors trägt, sollte sie den Wandel zur Nachhaltigkeit unterstützend begleiten.10)    Die Entwicklung von gesunden und schmackhaften pflanzlichen Lebensmitteln sollte gefördert werden, um Konsumenten den Umstieg zu einer weniger fleisch- und milchlastigen Ernährung zu erleichtern.Die Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt begrüßt den Verstoß der ProfessorInnen sehr und bittet Wissenschaftler in Deutschland und auf der ganzen Welt, sich nach dem niederländischen Vorbild zusammenschließen, um der industriellen Massentierhaltung entgegenzutreten. Die Politik ist aufgefordert, die erdrückende Beweislast zu den vielen negativen Auswirkungen der industriellen Massentierhaltung endlich ernst zu nehmen und entschlossen zu handeln.Der NABU Uelzen e. V.  schließt sich dieser Forderung voll an.

  

Dramatischer Rückgang der Wiesen- und Ackervögel in Niedersachsen

22. August 2008 von Peter Block

Der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) hat die 7. Fassung der „Roten Liste der in Niederachsen und Bremen gefährdeten Brutvögel“ zum Stand 2007 herausgegeben. Rote Listen sind eine anerkannte Grundlage, um den Bestand von Arten zu analysieren und zu bewerten.  

Seit 1974 gibt es Rote Listen in Niedersachsen, die bis heute fortgeschrieben wurden. Sie geben jetzt auch detaillierte  Einblicke  in regionale Bereiche. Uelzen liegt im Bewertungsraum Tiefland-Ost. Nur für diese Region soll hier wiedergegeben werden, welche Besorgnis erregenden Entwicklungen beispielsweise für bekannte Wiesen- und Ackervögel zu verzeichnen sind.

 Zunächst fiel aufmerksamen Vogelbeobachtern bereits vor mehreren Jahren der Rückgang der Wiesenvögel auf. Kiebitz, Bekassine, Braunkehlchen und Wiesenpieper gelten heute als Brutvögel für gefährdet bis sehr gefährdet. Das Braunkehlchen und der Wiesenpieper waren bis 1974 noch ungefährdet, der Kiebitz sogar bis 1984. Der Rückgang beträgt bei diesen besonders geschützten Arten seit 1980 mehr als 50%! Verantwortlich dafür wird vor allem der menschliche Eingriff gemacht.  In den letzten Jahren wurde auch im Landkreis Uelzen ein drastischer Rückgang der Ackervögel bemerkt. Dieser Vorgang wird durch die Ergebnisse der Roten Liste  eindrucksvoll bestätigt. Besonders auffällig ist der Rückgang des „Allerweltsvogels“ Feldlerche zu beobachten. Sie ist um mehr als 50 % zurückgegangen und galt doch bis 1995 noch als ungefährdet. Auch das Rebhuhn war bis 1976 trotz Bejagung noch ungefährdet. Seither ist sein Bestand um mehr als 50% zurückgegangen. Ein ganz leichter Anstieg ist allerdings in den letzten Jahren zu bemerken. Ähnliches ist auch bei der Wachtel zu beobachten. Alle drei Arten sind aber weiterhin als gefährdet eingestuft worden. Bei allen Arten wird die Hauptursache für den Rückgang im menschlichen Eingreifen gesehen.  Eine besondere Stellung nehmen bei uns der Ortolan und die Heidelerche ein. Besonders der Ortolan, der allgemein vom Aussterben bedroht ist, kann im östlichen Landkreis und im Wendland eine inselartig dichtere  Besiedlung aufweisen. Die Heidelerche, die allgemein als gefährdet gilt , steht in unserer Region auf der Vorwarnliste. Dem Schutz beider Arten wurde durch die Schaffung von EU-Vogelschutzgebieten Rechnung getragen.   Wenn bei der Risikobewertung der oben genannten Arten von „menschlichem Eingreifen“ die Rede ist, so wird in der  Erklärung der Herausgeber der Roten Liste (Thorsten Krüger und Bernd Oltmanns) mit Bezug auf andere Veröffentlichungen  folgendes festgestellt: „Allgemein begann sich mit der Einführung moderner Bewirtschaftungsmethoden im 20.Jahrhundert der Vogelreichtum der Agrarlandschaft zu verringern. Mittlerweile existieren Landstriche, in denen auf den eigentlichen Agrarflächen nur noch sehr wenige bis stellenweise überhaupt keine Vögel mehr brüten und lediglich Randstrukturen wie Gräben oder Hecken durch Vögel besiedelt sind. Die Vögel der Agrarlandschaft  sind mittlerweile die am stärksten bedrohten Artengruppe in Deutschland.“ Als Fazit wird gezogen: „In der offenen, landwirtschaftlich genutzten Kulturlandschaft  müssen 63% der dort vorkommenden 43 typischen Vogelarten als gefährdet eingestuft werden“.So weit ist es gekommen!  Können Maßnahmen wie die der NABU-Studie noch helfen? Peter Block